Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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den Zugang zu der Brücke deckte. Jetzt tönten Schritte über die Brücke, das Thor that ſich auf, und der Herr

dees Schloſſes erſchien ſelbſt, ſeinen Gaſt zu empfangen.

Es war jener ernſte, ältliche Mann, den Georg in Ulm mehremal geſehen, deſſen Bild er nicht vergeſſen

hatte, denn die düſteren, feurigen Augen, die bleichen

aber edlen Züge, ſeine große Ahnlichkeit mit der Ge⸗ liebten, hatten ſich tief in die Seele des Jünglings ge⸗ prägt.

„ Ihr ſeid willkommen in Lichtenſtein!“ ſagte der alte Herr, indem er ſeinem Gaſt die Hand bot, und eine gütige Freundlichkeit den gewöhnlichen, ſtrengen Ernſt ſeiner Züge milderte.„Was ſteht Ihr müßig da, Ihr Schlingel!“ wandte er ſich nach dieſer erſten Be⸗ grüßung zu ſeinen Dienern.„Soll etwa der Junker ſein Roß mit hinaufführen in die Stube? Schnell, hinein mit in den Stall; das Rüſtzeug traget auf die Kammer am Saal!— Verzeihet, werther Herr, daß

man Euch ſo lange unbedient ſtehen ließ, aber in dieſe

Burſche iſt kein Verſtand zu bringen. Wollet Ihr mir folgen?“ 4

Er ging voran über die Zugbrücke, Georg folgte. Sein Herz pochte bei dieſem Gang, voll Erwartung, voll Sehnſucht, ſeine Wangen rötheten ſich vor Liebe und vor Scham, wenn er an die letzte Nacht und an die Gefühle zurückdachte, die ihn zuerſt vor dieſe Burg geführt hatten. Sein Auge ſuchte an den Fenſtern um⸗ her, ob es nicht die Geliebte erſpähe, ſein Ohr ſchärfte ſich, um vielleicht ihre Stimme zu vernehmen, wenn auch ihr Anblick ihm jetzt noch verborgen war. Aber