57
Freunden ſich zu beſprechen. Ich gebe nicht den herr⸗. lichſten Saal des ſchönſten Schloſſes um dieſe Felſen⸗ wände!“ 4
„Ja, unter Freunden, wenn der Becher munter kreist,“ entgegnete der Bewohner der Höhle;„aber unfreiwillig hier zu ſitzen, Tage lang einſam in dieſen Kellern über ſein Unglück zu brüten, wenn das Herz ſich hinaus ſehnt in den grünen Wald, unter den blauen Himmel, wenn das Auge, müde dieſer unter⸗
irdiſchen Pracht, hineintauchen möchte in die reizende Landſchaft, hinüberſchweifen möchte über lachende Thä⸗ ler zu den fernen Bergen der Heimath; wenn das * Ohr, betäubt von dem eintönigen Gemurmel dieſer Waſſer, die Tropfen um Tropfen von den Wänden rieſeln, und geſamigelt in bodenloſe Tiefen hinab⸗ ſtürzen, ſich hinausſehnt, den Geſang der Lerche zu höͤren, zu lauſchen, wie das Wild in den Büſchen
rauſcht!“ „Armer Mannl] es iſt wahr, eine ſolche Einſamkeit muß ſchrecklich ſein!“ 3 3„Und dennoch,“ fuhr Jener fort und richtete ſich 3 höher auf, indem ein ſtolzer Trotz aus ſeinen Augen
blitzte,„und dennoch preiſe ich mich glücklich, mit Hülfe guter Leute dieſe Zuflucht gefunden zu haben. Ja, ich wollte lieber noch hundert Faden tiefer hinabe; ſteigen, wo die Bruſt keine Luft mehr zu athmen findet, als in die Hände meiner Feinde fallen und ihr 3 Geſpötte werden, und wenn ſie dahin mir nachkämen, die blutgierigen Hunde des Bundes, ſo wollte ich mich mit meinen Nägeln weiter hineinſcharren in die härte⸗ 4 W. Hauffs Werke. XVI. 5
„


