14
ich heute zum erſtenmal in dieſe Gegend komme. Nur der Name Roſel fiel mir auf.“
„Sagt man bei Euch nicht ſo? Roſel heißt Rofina bei uns, und ſo nennt man die alte Amme in Lichten⸗ ſtein. Nun ſeht, dieſe hält viel auf mich und kommt hie und da zu mir, dann koche ich ein ſüßes Weinmüs⸗ chen, was ſie für ihr Leben gerne ißt, und zum Dank vertraut ſie mir allerlei Neues. Von ihr habe ich auch, was ich Euch ſagte. Der Vater weiß gar nichts von dieſen nächtlichen Beſuchen, denn er geht ſchon um acht Uhr zu Bette. Die Amme ſchickte das Fräulein jedesmal um acht Uhr in ihre Kammer. Das fiel nun nach ein paar Tagen der guten Roſel auf. Sie ſtellte ſich, als gehe ſie zu Bette, und ſiehe da, was geſchieht? Kaum iſt Alles ruhig im Schloß, ſo macht das Fräulein, das ſonſt keinen Span anrührt, eigenhändig ein Feuer auf den Heerd, kocht und bratet, was ſie kann und weiß, holt Wein aus dem Keller, holt Brod aus dem Schrank und deckt in der Herrenſtube den Tiſch. Dann ſchaut ſie zum Fenſter hinaus in die kalte ſchwarze Nacht, und richtig, wenn es drüben elf Uhr ſchlägt, raſſelt die Zugbrücke nieder, der nächtliche Geſelle wird eingelaſſen unnd geht mit dem Fräulein in die Herrenſtube. Sie hat auch ſchon gehorcht, die Roſel, was wohl drinnen vorgehe, aber die eichenen Thüren ſind gar dick. Dann lugte ſie auch einmal durchs Schlüſſelloch, ſah aber nichts als den Kopf des Fremden.“ 1
Nun, und iſt er ſchon alt? Wie ſieht er aus?“
„Alt? Wo denket Ihr hin! Die ſieht mir auch dar⸗ nach aus, daß ſie es mit einem Alten hätte! Jung iſt


