Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Charakter reiner anbetender Ehrfurcht trug, daß nach der Sitte der Zeit die Geliebte nicht auf gleicher Stufe mit ihrem Verehrer, ſondern um eine höher ſtand, wenn wir den romantiſchen Erzählungen alter Chro⸗ niken und Minnebücher trauen dürfen, die ſo viele Beiſpiele aufführen, daß ſich edle Männer, wenn ſie in Liebe ſind, für die Treue und Reinheit ihrer Dame auf der Stelle todt ſchlagen laffen, ſo iſt es nicht zu verwundern, daß Georg von Sturmfeder, wenigſtens auf dieſe Indicien hin, von Marten nichts Schlechtes denken konnte. So räthſelhaft ihm ſelbſt jene nächt⸗ lichen Beſuche vorkommen mochten, ſo ſah er doch klar, es ſei weder bewieſen, daß der Vater nichts darum wiſſe, noch daß der geheimnißvolle Mann gerade ein Liebhaber ſein müſſe. Er trug dieſe Zweifel auch ſeiner Wirthin vor.

So? Meint Ihr, der Vater wiſſe um die Ge⸗ ſchichte? ſprach ſie.Dem iſt nicht ſo. Sehet, ich weiß das gewiß, denn die alte Roſel, die Amme des Fräuleins

Die alte Roſel hat es geſagt? rief Georg un⸗ willkürlich. Ihm war ja dieſe Amme, die Schweſter des Pfeifers von Hardt, ſo wohl bekannt. Freilich wenn dieſe es geſagt hatte, war die Sache nicht mehr ſo zweifelhaft; denn er wußte, daß ſie eine fromme Frau

und dem Fräulein ſehr zugethan war.

Ihr kennt die alte Roſel? fragte die Wirthin,

erſtaunt über den Eifer, womit ihr eemder Gaſt nach dieſer Frau fragte. Ich? Sie kennen? Nein, erinnert Euch nur, daß