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aber den letzten Vers will ich noch ſingen, trotz Balern und dem Schwabenbund: 3 Es ſteht eine Eich' im Schönbuchwald, Gar breit in den Aeſten und hoch geſtalt't; Die wird zum Zeichen Jahrhunderte ſtahn; Dort hing der Herzog den Hutten d'ran.
Er hatte ausgeſungen; das Geſpräch der Bürger ſank jetzt zum Geflüſter herab, und Georg glaubte zu bemer⸗ ken, daß ſie über ihn ihre Gloſſen machten. Auch die freundliche Wirthin ſchien neugierig, zu wiſſen, wen ſie in ihrem Erkerlein beherberge. Sie ſetzte die Speiſen, die ſte ihm bereitet hatte, vor ihn hin, nachdem ſie ein ſchönes Tafeltuch über den runden Tiſch ausgebrei⸗ tet hatte. Dann nahm ſie ſelbſt an der entgegengeſetz⸗ ten Seite Platz und befragte ihn, wiewohl ſehr beſchei⸗ den, über das Woher? und Wohin?
Der junge Mann war nicht geſonnen, ihr über den eigentlichen Zweck ſeiner Reiſe genaue Auskunft zu ge⸗ ben. Das Geſpräch der Gäſte an der langen Tafel hatte ihn belehrt, daß es hier nicht minder gefährlich ſei, zu gar keiner Partei zu gehören, als ſich für irgend eine beſtimmt zu erklären, er ſagte daher, er komme aus Franken und werde noch weiter hinauf ins Land, in die Gegend von Zollern reiſen, und ſchnitt ſomit jede wei⸗
tere Frage ab; denn die Wirthin war zu beſcheiden, als daß ſie ſich den Ort, wohin er gehe, noch näher hätte bezeichnen laſſen. Es ſchien ihm aber eine gute Gele⸗ genheit, ſich nach Marien zu erkundigen, denn er war glücklich, wenn ihm die Wirthin zum goldenen Hirſch auch nur ihren Namen nennen, nur den Saum ihres W. Hauffs Werke. XVI. 2


