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heimlichen Gericht, und darf einen ſolchen Ehrenſchän⸗ der ohne weiteres abthun. Und er hatte die beſten Be⸗ weiſe gleich bei der Hand; kennt ihr das ſchöne Liedlein? Ich will einmal ein paar Verſe daraus ſingen:
Und im Wald er ſich zum Hutten wandt': „Was flimmert dort an Deiner Hand?“ „„Herr Herzog,'s iſt ein Ringelein,
Das hab' ich von meiner Liebſten fein.“
„Ei, Hans, Du biſt ein ſtattlich Mann, Haſt auch ein gülden Kettlein an!“ „„Das hat mir auch mein Schatz geſchenkt, Zum Zeichen, daß ſie mein gedenkt.““
Dann heißt es weiter:
„O Hutten, gib Deim Gaul die Sporn,
Des Herzogs Auge rollt voll Zorn,
O Hutten, fleuch, noch iſt es Zeit,
Er reißt das Schwert ſchon aus der Scheid'.„—
„Laßt es lieber gut ſein,“ unterbrach ihn der fette Herr mit ernſter Miene;„es iſt nicht gut, daß man in ſolchen Zeiten dies Lied in der Herberge ſingt: dem Her⸗ zog kann es nicht mehr nützen, und die Bündiſchen find rings um uns; es könnte leicht Einer etwas davon hö⸗ ren,“ ſetzte er mit einem ſtechenden Blick auf Seorg hin⸗ zu,„ und dann hieße es gleich: Pfullingen zahlt hun⸗ dert Gulden Brandſteuer mehr.“
„Weiß Gott, Ihr habt Recht,“ ſagte der Zerlumpte;
„es iſt nicht mehr wie früher, wo man ein freies Wort
ſprechen und ſingen durfte beim Wein in der Trinkſtube; da muß man immer umſchauen, ob nicht dort ein Her⸗ zoglicher und auf der andern Seite ein Bündler ſitzt;


