Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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über die jämmerlichen Töne des Sängers die Achſel zuckten. Er aber ſchaute ſtolz in dem Kreiſe umher, als wolle er in den Mienen ſeiner Zuhörer den gerech⸗ ten Beifall leſen.

Ihr habt da ein gar frommes Lied geſungen, ſagte der Zerlumpte;ſo fein kann ich's nicht, aber doch weiß ich auch ein neues Lied und will es mit Eu⸗ rem Verlaub ſingen.

Der Hagere ſah ihn ſcheel und ſpöttiſch an, die Bürger aber nickten ihm zu, und er begann mit einem angenehmen Tenor, indem er die Augen halb zuſchloß, aber doch hin und wieder auf den langen Mann hin⸗ überſchielte, als beobachte er, welchen Eindruck ſein Geſang mache:*

O weh, wo bleibet Deine Kraft,

Würtemberg, Du arme Landſchaft;

Ich klag D ch billig hart und ſehr, 3 Denn der Bader von Ulm, der iſt Dein Herr.

Der zu Nürnberg die Wetſchger macht,

Der Weber von Augsburg treibt auch ſein Pracht, Der Salzſieder von Schwäbiſch Hall,

Von Na vurg die Krämer all'.

Von Rorhweil I die neuen Schweizerknaben Wollten der Gans auch ein Feder haben, Und der Schneider von Memming iſt in der Sach 3 Und auch der Kürſchner von Siberach. 8

* In der Chronik des Georg Stumphardt über die ge⸗ waltſame Verj gung des Herzogs Ulerich findet ſich als eigener Artikel eingereimter Spruch alſo lautend, wo in einer großen Menge Knittelverſen das Unglück drs Herzogs und des Landes beſchrieben iſt. Aus dieſem Gedicht ſind jene Berſ im Tent entlehnt.