111
Lärmender Beifall und Gelächter unterbrach den Sänger; ſie langten über den Tiſch berüber, ſchüttelten dem Zerlumpten die Hand und lobten ſein Lied. Der Hagere ſprach kein Wort, ſondern warf finſtere Blicke auf die Geſellſchaft; man war ungewiß, ob er den Beifall des Zerlumpten beneidete, oder ob der Begen⸗ ſtand des Liedes ihn beleidigte. Der fette Herr aber ſah ungemein klug aus, brummte die Weiſe des Liedes mit und nickte bei jeder Kraftſtelle mit dem Haupt.
Der Sänger mit dem ledernen Rücken fuhr fort:
Den Saymer von Kempten ich Euch meld' Und Holzhauer von dem Herdtfeld,
Und Andere, die ich nit nennen will,
Der Haufen iſt gooß und wird gar zu viel.
Und cruch der iſt in dem Strauß,
8* Der richt' Alles mit Ungelo aus, Ich men' Junker Ermlich und ſein Geſind, Des reichen Barchetwebers Kind.
„Daß Euch der Kukuk in den Hals fahr, Ihr Lumpenhund!“ fuhr der lange Mann auf, als er die letzten Worte hörte.„Ich weiß wohl, wen Ihr mit dem Barchetweber meint, meinen gnädigen Gönner, den Herrn von Fugger. Den ſoll mir ein ſolcher Landläufer verunglimpfen?“ Er begleitete dieſe Worte mit einem ausdrucksvollen Mienenſpiel und mit ſchreck⸗ licher Geberde.—
Doch der mit dem ledernen Rücken ließ ſich nicht einſchüchtern; er ſtellte ſeine ungemein muſeulöſe Fauſt vor ſich hin und ſagte:„Den Landläufer könnt Ihr für Euch behalten, Herr Calmus, man weiß wohl, wer


