Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

. 1⁰⁰ Erſtenmal anhaſt und Dein Schatz Dich darin küßt, ſo gedenke an Georg von Sturmfeder! Der junge Mann gab ſeinem Pferde die Sporen und trabte über die grüne Ebene hin dem Städtchen zu. Zweihundert Schritte weit entfernt, ſchaute er ſich

noch einmal nach der Tochter des Spielmannes um. Sie ſtand noch dort, wo er ſie verlaſſen hatte, im

rothen Mieder, im kurzen Röckchen, mit langen Zöpfen und weißen Strümpfen; ſie war es und keine Andere;

aber ſie hielt die Hand vor die glänzenden Augen, und

Georg war ungewiß, ob ſie die Strahlen der Sonne

dadurch abhalten wollte, indem ſie ihm nachblickte, oder

ob ſie vielleicht jene Thräne verwiſche, die er in ihren Wimpern blinken ſah, als ſie Abſchied nahm. Bald war er am Thor der kleinen Stadt ange⸗

langt. Er fühlte ſich ermüdet und durſtig, und fragte daher auf der Straße nach einer guten Herberge. Man

wies ihn nach einem kleinen düſteren Haus, wo ein Spieß über der Thüre und ein Schild, mit einem ſpringenden Hirſch geziert, zur Einkehr einluden. Ein kleiner baarfußiger Junge führte ſein Pferd in den Stall, ihn ſelbſt aber empfing in der Thüre eine junge, freundliche Frau und führte ihn zur Trinkſtube.

Es war dies ein weites, finſteres Zimmer, an deſſen

Wänden ſich ſchwere eichene Tiſche und Bänke hinzogen.

Die ungeheure Menge von Kannen und Bechern, die blank geſcheuert von den Geſtellen am Getäfer herab⸗ blinkte, bewies, daß die Herberge zum Hirſch ſehr be⸗ ſucht ſein muſſe. In der That ſaßen auch, obgleich es erſt Mittag war, ſchon viele Gäſte beim Wein. Sie