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Pfullinga, von vort kann Ich jedes Kind da Weg nach Lichtaſtoi zeiga.“
„Wie? Du willtt mich ſchon verlaſſen?“ fragte Georg, der ſich an die munteren, ſinnigen Reden ſeiner Begleiterin ſo gewöhnt hatte, daß ihn der Abſchied überraſchte.„Warum gehſt Du nicht wenigſtens mit mir bis Pfullingen? Dort kannſt Du in der Herberge etwas eſſen und trinken; Du willſt doch nicht geradezu
nach Haus laufen?“
Das Mädchen ſuchte freundlich auszuſehen und zu ſcherzen, doch konnte ſie einen ſchmerzlichen Zug um den Mund und trübe Augen nicht verbergen; denn wohl mochte auch ihr die Nähe ihres ſchönen Gaſtes
theurer geworden ſein, als ſie vielleicht ſelbſt wußte. „Do mueß i von Ich geh, gnädiger Herr,“ ſagte ſie, „ſo gerne au no weiters mitging; aber d'Mueter wills ſo; dort in dem Dörfle am Berg hanne a Baas, und bei der bleibe heut, und morga gange wieder noch Hardt. Jetzt b'hüet Ich Gott der Herr und diheilig Jungfrau, und älle ſeine Heilige nemmet Ich in Schutz. Grüeßet mer de Vater und au,“ ſetzte ſie lä⸗ chelnd hinzu, indem ſie ſchnell eine Thräne abſchüttelte, „grüeßet mer ſell Frähla, die Er ſo gern hent.“ „Dank Dir, Bärbele,“ entgegnete Georg und reichte ihr die Hand zum Abſchied vom Pferd hinab. „Ich kann Dir Deine treue Pflege nicht vergelten. Aber wenn Du nach Haus kommſt, ſo ſchau in den geſchnitz⸗ ten Schrank, dort wirſt Du etwas finden, das vielleicht zu einem neuen Mieder oder zu einem Röckchen für den Sonntag reicht. Nun, und wenn Du es dann zum


