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Fuß nicht, flink auszuſchreiten. Sie hatte ein Körb⸗ chen an den Arm gehängt, als wolle ſie zum Markt in die Stadt gehen. Sie trug aber weder Gemüſe noch Früchte darin, was ſie wohl ſonſt in die Stadt zu bringen pflegte, ſondern ein Regentuch, mit dem ſie ſich gegen die wechſelnden Launen eines Apriltages verſehen hatte. Der Junker dachte bei ſich, als ſie ſo ſchmuck und rüſtig neben ihm hinging, daß das Mäd⸗ chen wohl einmal eine gute tüchtige Hausfrau zu wer⸗ den verſpreche, und pries den jungen Burſchen glück⸗ lich, der einſt das Kleinod des Spielmannes von Hardt für ſich gewinnen werde.
Sie hatte unſtreitig viel von dem lebhaften Geiſte ihres Vaters geerbt. Denn, wie jener bei der Reiſe über die Alb ſeinem vornehmen Gefährten durch Er⸗ zählungen und Hindeutungen auf die Gegend den Weg zu verkürzen bemüht geweſen war, ſo wußte auch ſie, ſo oft das Geſpräch zu ſtocken begann, entweder auf einen ſchönen Punkt in den Thälern und Bergen um⸗ her aufmerkſam zu machen, oder ſie theilte ihm unauf⸗ gefordert eine und die andere Sage mit, die ſich an ein Schloß, an ein Thal oder einen Bach knüpften.
Sie wählte meiſtens Nebenwege und führte den Reiter höchſtens zwei bis dreimal durch Dörfer, von zwei zu zwei Stunden aber machten ſie Halt. Endlich nach vier ſolchen Stationen ſah man in der Entfernung von einer kleinen halben Stunde ein Städtchen liegen; der Weg ſchied ſich hier und ein Fußpfad führte links ab in ein Dorf. An dieſem Scheidepunkt blieb das Mädchen ſtehen und ſagte:„Was Er dort ſehet, iſt


