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ſchauten den ſtattlichen jungen Ritter prüfend an, als er an ihren Tiſchen vorüber zum Ehrenplatz, in ein ſechseckiges, wie eine Laterne aus lauter Fenſtern er⸗ bautes Eckerlein geführt wurde; doch ließen ſie ſich in ihrem Geſpräch durch den vornehmen Gaſt nicht lange ſtören, ſondern ſchwatzten weiter über Krieg und Frieden, über Schlachten und Belagerungen, wie ehr⸗ ſame Spießbürger in ſo unruhigen Zeiten, wie Anno 1519, zu thun pflegten.
Die Wirthin ſchien an ihrem Gaſt Gefallen zu finden. Sie ſchaute mit lächelnder Miene nach ihm her⸗ über, wenn ſie am Erkerlein vorbeiging, und als ſie ihm eine Kanne alten Heppacher und einen ſilbernen Becher vorſetzte, zog ſich ihr etwas großer Mund zu holdſeliger Freundlichkeit. Sie verſprach ihm auch, ein junges Huhn zu braten und einen Tiſch zu decken, wenn er ſich nur ein wenig gedulden wolle; einſtweilen ſolle er ſich den Wein gut bekommen laſſen. Das la⸗ ternenförmige Erkerlein lag um zwei Stufen höher als die übrige Trinkſtube; Georg konnte daher mit Muße die Tiſche überſehen und trinkend die Gäſte muſtern. Obgleich er nicht viel in Herbergen und Weinſtuben ſich herum zu treiben pflegte, ſo hatte er doch, vielleicht dadurch, daß er weniger ſprach als beobachtete, einen eigenen Takt in Beurtheilung ſolcher Umgebungen ge⸗ wonnen, der ihn auch bei ſeinen jetzigen Beobachtungen unterſtützte.
Die Geſellſchaft, die um einen der großen eichenen Tiſche ſaß, beſtand aus etwa zehn bis zwölf Männern. Sie unterſchieden ſich auf den erſten Anblick nicht ſehr


