Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

*

*

27

Er war daher unſchlüſſig, ob er ſich auf das Leichen⸗ tuch legen ſollte vder nicht? Aber er ſah keinen Stuhl, keine Bank in der ⸗ganzen Todtenkammer, der Boden, mit Backſteinen zierlich ausgelegt, war noch kälter als das kalte, feuchte Leichentuch. Er begann, ſich dieſer Unterſuchungen, dieſes Zögerns zu ſchämen, und bald nahm ihn das gaſtliche Lager des Verſtorbenen auf.

Auch das härteſte Lager iſt weich für den, der mit gutem Gewiſſen zur Ruhe geht. Georg hatte ſein Nacht⸗ gebet geſprochen und war bald entſchlummert. Aber aus dem Leichentuch ſtiegen wunderliche Träume auf

1 and lagerten ſich bange über den jungen Mann. Er ſah dentlich, wie der alte Schließer zu dem großen

Schlüſſelloch hereinguckte und ſich ſegnete, daß er auf der andern Seite der Thüre ſtehe, denn in der Todten⸗ kammer begann es recht unheimlich zu werden. Es fing an, wunderlich umher zu rauſchen, auf den Backſteinen ſchlurften alte Sohlen in häßlichen Tönen. Georg glaubte zu träumen; er ermannte ſich, er horchte, er horchte wieder, aber es war keine Täuſchung. Schwere Tritte tönten im Gemach. Jetzt wurde das Feuer heller angeſchürt. Der ungewiſſe Schein der Flamme ſpielte um eine große, dunkle Geſtalt. Sie bewegte ſich, der Weg vom Kamin zum Bette war gar nicht weit. Die Schritte kommen näher, das Leichentuch wird angefaßt und geſchüttelt. Georg, von unabwendbarer Furcht befallen, drückt die Augen zu, aber als die Decke gerade neben ſeinem Haupte gefaßt wurde, als eine kalte, ſchwere Hand ſich auf ſeine Stirne legte, da riß er ſich los aus ſeiner Angſt, er ſprang auf und maß mit un⸗