Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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aus ſeiner Bahre heraufgeſtiegen, um ſein altes Zimmer zu beſuchen.

Wie? ſagte Georg lächelnd,hierher ſoll er ſich nach ſeinem Tode noch bemüht haben?

Der Schließer warf einen ſcheuen Blick in die Ecken des Zimmers, die von dem unruhigen Flackern des Kaminfeuers kaum erhellt, ſich bald vor⸗, bald zurück⸗ 8 zudrängen ſchienen. Er legte das Holz zurecht und brummte:Man ſpricht ſo mancherlei.

Und auf jener Decke iſt er verſchieden? ief Georg, den bei allem jugendlichen Muth doch ein un⸗ willkürlicher Schauder überlief.

Ja, Herr! fläſterte der Schließer eeiſe, vdort auf jener Decke iſt er abgefahren. Gott gebe, daß es nicht tiefer, als ins Fegefeuer ging. Wir nennen deß⸗ wegen die Decke nur das Leichentuch, das Zimmer aber heißt des Ritters Todtenkammer! Mit leiſen Schrit⸗ ten, als fürchte er, durch jeden Laut den Todten z erwecken, ſchlich er aus dem Gemach, deſto vernehm⸗ licher rauſchten außen ſeine Schlüſſel in dem Thür⸗ ſchloß, als feierten ſie ſeinen Triumph, einem gräu⸗ lichen Spuk entflohen zu ſein.

Alſo auf dem Leichentuch in des Ritters Todten⸗ kammer? dachte Georg, und fühlte, wie ſein Herz lauter pochte. Man hatte zwar damals das menſchliche Gemüth noch nicht wie in unſern Tagen durch eigene Geſpenſter⸗ und Schauerbücher für das Grauenhafte em⸗ pfänglich gemacht; doch hatten Ammen und alte Knechte hinlänglich dafür geſorgt, den Geiſt des Junkers Georg mit dieſem reichlich wuchernden Unkraut anzupflanzen.