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eine leere Bettſtelle und einen ungeheuern Kamin, aber in Vergleichung mit den Bildern ſeiner Phantaſie eher einem Prunkgemach, als einem Gefängniß glich. Der alte Kriegsmann wünſchte dem Gefangenen gute Nacht und zog ſich mit ſeinen Knechten zurück. Ein kleiner, hagerer ältlicher Mann teat ein: Der große Schlüſſel⸗ bund, welcher an ſeiner Seite hing und jeden ſeiner Schritte wie mit Kettengeraſſel bezeichnete, gab ihn als den Rathsdiener oder Schließer kund. Er legte ſchweigend einige große Scheiter Holz ins Kamin, und bald loderte ein behagliches Feuer auf, das dem jungen Mann in der kalten Märznacht ſehr zu Statten kam. Auf die Bretter der breiten, leeren Bettſtelle breitete der Schließer eine große, wollene Decke, und das erſte Wort, das Georg aus ſeinem Munde hörte, war die freundliche Einladung an den Gefangenen, ſichs bequem zu machen. Die harten Brettchen, nur mit einer dünnen Decke überlegt, mochten nun freilich nicht ſehr einla⸗ dend ausſehen, doch lobte Georg die Bemühungen des Alten und ſein Gefängniß. „Das iſt halt die Ritterhaft,“ belehrte ihn der Schließer.„Die für den gemeinen Mann iſt unter der Erde und nicht ſo ſchön, doch iſt ſie dafür deſto be⸗ ſuchter.“ „Hier war wohl ſeit langer Zeit Niemand?“ fragte Georg, indem er das öde Gemach muſterte. „Der letzte war vor ſieben Jahren ein Herr von
Berger, er iſt in jenem Bett verſchieden. Gott ſei ſeiner armen Seele gnädig! Es ſchien ihm aber hier zu gefallen, denn er iſt ſchon in mancher Mitternacht W. Hauffs Werke. XV. 3
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