16
Kräutlein ſchauen, ob Du haſt, was ich brauche?“
antwortete die Alte, beugte ſich nieder vor den Körben und fuhr mit ein Paar dunkelbraunen, häßlichen Hän⸗ den in den Kräuterkorb hinein, packte die Kräutlein, die ſo ſchön und zierlich ausgebreitet waren, mit ihren langen Spinnenfingern, brachte ſie dann eines um das andere hinauf an die lange Naſe und beroch ſie hin und her. Der Frau des Schuſters wollte es faſt das Herz abdrücken, wie ſie das alte Weib alſo mit ihren ſeltenen Kräutern hantiren ſah; aber ſie wagte nichts zu ſagen; denn es war das Recht des Käufers, die Waare zu prüfen, und überdies empfand ſie ein ſon⸗ derbares Grauen vor dem Weibe. Als jene den ganzen Korb durchgemuſtert hatte, murmelte ſie:„Schlechtes Zeug, ſchlechtes Kraut, nichts von Allem, was ich will⸗ war viel beſſer vor fünfzig Jahren; ſchlechtes Zeug, ſchlechtes Zeug 14
Solche Reden verdroſſen nun den kleinen Jakob. „Höre, Du biſt ein unverſchämtes, altes Weib,“ rief er muthig; verſt fährſt Du mit Deinen garſtigen brau⸗ nen Fingern in die ſchönen Kräuter hinein und drückſt ſie zuſammen, dann hältſt Du ſie an Deine lange Naſe, daß ſie Niemand mehr kaufen mag, wer zuge⸗ ſehen, und jetzt ſchimpfſt Du noch unſere Waare ſchlechtes Zeug, und doch kauft ſelbſt der Koch des Herzogs Alles bei uns!“
Das alte Weib ſchielte den muthigen Knaben an, lachte widerlich und ſprach mit heiſerer Stimme: „Söhnchen, Söhnchen! Alſo gefällt Dir meine Naſe, meine ſchöne lange Naſe? Sollſt auch eine haben


