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einige Koͤrbe mit Kohl und anderm Gemüſe, allerlei Kräuter und Sämereien, auch in einem kleineren Körbchen frühe Birnen, AÄpfel und Aprikoſen. Der kleine Jakob, ſo hieß der Knabe, ſaß neben ihr und rief mit heller Stimme die Waaren aus:„Hierher, ihr Herren, ſeht, welch ſchöner Kohl, wie wohlriechend dieſe Kräuter; frühe Birnen, ihr Frauen, frühe Apfel und Aprikoſen, wer kauft? Meine Mutter gibt es wohlfeil. So rief der Knabe. Da kam ein altes Weib über den Markt her; ſie ſah etwas zerriſſen und zerlumpt aus, hatte ein kleines, ſpitziges Geſicht, vom Alter ganz eingefurcht, rothe Augen und eine ſpitzige, gebogene Naſe, die gegen das Kinn hinabſtrebte; ſie ging an einem langen Stock, und doch konnte man nicht ſagen, wie ſie ging; denn ſie hinkte und rutſchte und wankte, es war, als habe ſie Räder in den Beinen und könne alle Augenblicke umſtülpen und mit der ſpitzigen Naſe aufs Polſter fallen.
Die Frau des Schuſterz betrachtete dieſes Weib aufmerkſam. Es waren jetzt doch ſchon ſechzehn Jahre, daß ſie täglich auf dem Markte ſaß, und nie hatte ſie dieſe ſonderbare Geſtalt bemerkt. Aber ſie erſchrak un⸗ willkürlich, als die Alte auf ſie zuhinkte und an ihren Körben ſtille ſtand.
„Seid Ihr Hanne, die Gemüſehändlerin 2u fragte das alte Weib mit unangenehmer, krächzender Stimme, indem ſie den Kopf beſtändig hin⸗ und herſchüttelte.
„Ja, die bin ich,“ antwortete die Schuſtersfrau; iſt Euch etwas gefällig?“.
„Wollen ſehen, wollen ſehen! Kräutlein ſchauen,
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