14
ſeien unwahr. Noch heute gibt es Feen, und es iſt nicht ſo lange her, daß ich ſelbſt Zeuge einer Begebenheit war, wo offenbar die Genien im Spiel waren, wie ich Euch berichten werde.
In einer bedeutenden Stadt meines lieben Vater⸗ landes, Deutſchland, lebte vor vielen Jahren ein Schuſter mit ſeiner Frau ſchlicht und recht. Er ſaß bei Tag an der Ecke der Straße und flickte Schuhe und Pantoffeln und machte wohl auch neue, wenn ihm Einer welche anvertrauen mochte; doch mußte er dann das Leder erſt einkaufen, denn er war arm und hatte keine Vorräthe. Seine Frau verkaufte Gemüſe und Früchte, die ſie in einem kleinen Gärtchen vor dem Thore pflanzte, und viele Leute kauften gerne bei ihr, weil ſie reinlich und ſauber gekleidet war und ihr Ge⸗ müſe auf gefällige Art auszubreiten und zu legen wußte.
Die beiden Leutchen hatten einen ſchönen Knaben, angenehm von Geſicht, wohlgeſtaltet, und für das Alter von acht Jahren ſchon ziemlich groß. Er pflegte gewöhnlich bei der Mutter auf dem Gemüſemarkt zu ſitzen und den Weibern oder Köchen, die viel bei der Schuſtersfrau eingekauft hatten, trug er wohl auch einen Theil der Früchte nach Haufe, und ſelten kam er von einem ſolchen Gang zurück ohne eine ſchöne Blume, oder.ein Stückchen Geld, oder Kuchen; denn die Herrſchaften dieſer Köche ſahen es gerne, wenn man den ſchönen Knaben mit nach Hauſe brachte, und beſchenkten ihn immer reichlich.
Eines Tages ſaß die Frau des Schuſters wieder wie gewöhnlich auf dem Markte; ſie hatte vor ſich


