Teil eines Werkes 
11. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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17 4 mitten im Geſicht bis übers Kinn herab. Während ſie ſo ſprach, rutſchte ſie an den andern Korb, in welchem Kohl ausgelegt war. Sie nahm die herrlich⸗ ſten weißen Kohlhäupter in die Hand, drückte ſie zu⸗ ſammen, daß ſie ächzten, warf ſie dann wieder un⸗ ordentlich in den Korb und ſprach auch hier:Schlechte Waare, ſchlechter Kohl!

Wackle nur nicht ſo garſtig mit dem Kopf hin und her, rief der Kleine ängſtlich,Dein Hals iſt ja ſo dünne wie ein Kohlſtengel, der könnte leicht ab⸗ brechen, und dann fiele Dein Kopf hinein in den Korb; wer wollte dann noch kaufen?

Gefallen ſie Dir nicht, die dünnen Hälſe? murmelte die Alte lachend.Sollſt gar keinen haben, Kopf muß in den Schultern ſtecken, daß er nicht her⸗ abfällt vom kleinen Körperlein!

Schwatzt doch nicht ſo unnützes Zeug mit dem Kleinen da, ſagte endlich die Frau des Schuſters im Unmuth über das lange Prüfen, Muſtern und Be⸗ riechen,wenn Ihr etwas kaufen wollt, ſo ſputet Euch, Ihr verſcheucht mir ja die andern Kunden.

Gut, es ſei, wie Du ſagſt, rief die Alte mit grimmigem Blick,ich will Dir dieſe ſechs Kohlhäupter abkaufen; aber ſiehe, ich muß mich auf den Stab ſtützen und kann nichts tragen; erlaube Deinem Söhn⸗ lein, daß es mir die Waare nach Hauſe bringt; ich will es dafür belohnen.

Der Kleine wollte nicht mitgehen und weinte, denn ihm graute vor der häßlichen Frau, aber die Mutter befahl es ihm ernſtlich, weil ſie es doch für eine Sünde

W. Hauffs Werke. Xl. 2