Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ihr auffinden konnten. Man glaubte endlich, ſie habe ſich auf einem Spaziergang zu weit gewagt und ſei in Räuberhände gefallen. Beinahe tröſtlicher wäre dieſer Gedanke für meinen armen Bruder geweſen, als die Wahrheit, die uns nur zu bald kund wurde. Die Treu⸗ loſe hatte ſich mit einem jungen Neapolitaner, den ſie im Hauſe ihres Vaters kennen gelernt hatte, einge⸗ ſchiff 4

Mein Bruder, aufs Außerſte empört über die⸗ ſen Schritt, bot Alles auf, die Schuldige zur Strafe zu ziehen; doch vergebens; ſeine Verſuche, die in Neapel und Florenz Aufſehen erregt hatten, dienten uur dazu, ſein und unſer Aller Unglück zu vollenden. Der florentiniſche Edelmann reiste in ſein Vaterland zurück, zwar mit dem Vorgeben, meinem Bruder Recht zu verſchaffen, der That nach aber, um uns zu verderben. Er ſchlug in Florenz alle jene Unterſuchun⸗ gen, welche mein Bruder angeknuͤpft hatte, nieder und wußte ſeinen Einfluß, den er auf alle Art ſich ver⸗ ſchafft hatte, ſo gut zu benützen, daß mein Vater und mein Bruder ihrer Regierung verdächtig gemacht, durch dick ſchändlichſten Mittel gefangen, nach Frankreich ge⸗ führt und dort vom Beile des kers getödtet wur⸗ den. Meine arme Mutter ver el in Wahnſinn, und erſt nach zehn langen Monaten erlöste ſie die der Tod von ihrem ſchrecklichen Zuſtand, der aber in den letzten Tagen zu vollem klaren Bewußtſein geworden war. So ſtand ich jetzt ganz allein in der Welt, aber nur ein Gedanke beſchäftigte meine Seele, nur ein Ge⸗ danke ließ mich meine Trauer vergeſſen, es war jene