Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14⁴9

Dir in meiner alten Geſtalt zu erſcheinen. Du ſagteſt einſt zu mir: Der Glaube meiner Väter be⸗ fiehlt mir, ihn zu lieben, auch iſt er wohl unglücklicher als ich; glaube dieſes mein Freund, und höre meine Rechtfertigung.

Ich muß weit ausholen um mich Dir ganz ver⸗ ſtändlich zu machen. Ich bin in Alexandrien von chriſt⸗ lichen Eltern geboren. Mein Vater, der jüngere Sohn eines alten berühmten franzöſiſchen Hauſes, war Con⸗ ſul ſeines Landes in Alexandrien. Ich wurde von mei⸗ nem zehnten Jahr an in Frankreich bei einem Bruder meiner Mutter erzogen und verließ erſt einige Jahre nach dem Ausbruch der Revolution mein Vaterland, um mit meinem Oheim, der in dem Lande ſeiner Ah⸗ nen nicht mehr ſicher war, über dem Meere bei meinen Eltern eine Zuflucht zu ſuchen. Voll Hoffnung, die Ruhe und den Frieden, den uns das empörte Volk der Franzoſen entriſſen, im elterlichen Hauſe wieder zu finden, landeten wir. Aber, ach! ich fand nicht Alles in meines Vaters Hauſe, wie es ſein ſollte; die äuße⸗ ren Stürme der bewegten Zeit waren zwar noch nicht bis hieher gelangt, deſto unerwarteter hatte das Un⸗ glück mein Haus im innerſten Herzen heimgeſucht. Mein Bruder, ein junger hoffnungsvoller Mann, erſter Sekretär meines Vaters, hatte ſich erſt ſeit Kur⸗ zem mit einem jungen Mädchen, der Tochter eines flo⸗ rentiniſchen Edelmanns, der in unſerer Nachbarſchaft wohnt, verheirathet; zwei Tage vor unſerer Ankunft war dieſe auf einmal verſchwunden, ohne daß weder unſere Familie, noch ihr Vater die geringſte Spur von