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wohl bekannt aus den ſchrecklichſten Stunden ſeines Lebens.
Widerſtreitende Gefühle wogten in Zaleukos Bruſt; er hatte ſich mit dieſem Bild ſeiner Erinnerung längſt
ausgeſöhnt und ihm vergeben, und doch riß ſein Anblick
alle ſeine Wunden wieder auf; alle jene qualvollen Stunden der Todesangſt; jener Gram, der die Blüte ſeines Lebens vergiftete, zogen im Flug eines Augen⸗ blicks an ſeiner Seele vorüber.
„Was willſt Du, Schrecklicher?“ rief der Grieche aus, als die Erſcheinung noch immer regungslos auf der Schwelle ſtand.„Weiche ſchnell von hinnen, daß ich Dir nicht fluche!“
„Zaleukos!“ ſprach eine bekannte Stimme unter der Larve hervor.„Zaleukos! So empfängſt Du Dei⸗ nen Gaſtfreund?“ Der Sprechende nahm die Larve
ab, ſchlug den Mantel zurück; es war Selim Baruch,
der Fremde.
Aber Zaleukos ſchien noch nicht beruhigt; ihm
graute vor dem Fremden; denn nur zu deutlich hatte er in ihm den Unbekannten von Ponte veechio erkannt; aber
die alte Gewohnheit der Gaſtfreundſchaft ſiegte; er
winkte ſchweigend dem Fremden, ſich zu ihm ans Mahl
zu ſetzen.
.„Ich errathe Deine Gedanken,“ nahm dieſer das Wort, als ſie ſich geſetzt hatten;„Deine Augen ſehen
fragend auf mich;— ich hätte ſchweigen und mich
Deinen Blicken nie mehr zeigen können, aber ich bin
Dir Rechenſchaft ſchuldig, und darum wagte ich es,
auch auf die Gefahr hin, daß Du mir fluchteſt, vor


