Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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III. 1

Traurig wandelten die Verzauberten durch die Felder, ſie wußten gar nicht, was ſie in ihrem Elend anfangen ſollten. Aus ihrer Storchenhaut konnten ſie nicht heraus, in die Stadt zurück konnten ſie auch nicht, um ſich zu erkennen zu geben, denn wer hätte einem Storchen geglaubt, daß er der Kalif ſei, und wenn man es auch geglaubt hätte, würden die Einwohner von Bagdad einen Storchen zum Kalifen gewollt haben?

So ſchlichen ſie mehre Tage umher, und ernährten ſich kümmerlich von Feldfrüchten, die ſie aber wegen ihrer langen Schnäbel nicht gut verſpeiſen konnten. Zu Eidexen und Fröſchen hatten ſie übrigens keinen Ap⸗ petit. Denn ſie befürchteten, mit ſolchen Leckerbiſſen ſich den Magen zu verderben. Ihr einziges Vergnügen in

dieſer traurigen Lage war, daß ſie fliegen konnten, und ſo flogen ſie oft auf die Dächer von Bagdad, um zu ſehen, was darin vorging.

In den erſten Tagen bemerkten ſie große Unruhe und Trauer in den Straßen. Aber ungefähr am vierten Tag nach ihrer Verzauberung ſaßen ſie auf dem Palaſt des Kalifen. Da ſahen ſie unten in der Straße einen prächtigen Aufzug. Trommeln und Pfeifen ertönten, 3 ein Mann in einem goldgeſtickten Scharlachmantel ſaß auf einem geſchmückten Pferd, umgeben von glänzenden Dienern. Halb Bagdad ſprang ihm nach, und alle ſchrien:Heil Mizra! Dem Herrſcher von Bagdad! Da ſahen die beiden Störche auf dem Dache des Palaſtes