Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Tochter, entgelten? weinte Mährchen.Ach! wenn Du wüßteſt, wie ſie es mir gemacht haben; ſie ſchalten mich eine alte Jungfer und drohten, mich das nächſte⸗ mal gar nicht mehr hereinzulaſſen.

Wie, meine Tochter nicht mehr einzulaſſen? rief die Königin, und Zorn erhöhte die Röthe ihrer Wan⸗ gen.Aber ich ſehe ſchon, woher dies kommt; die böſe Muhme hat uns verleumdet!

Die Mode? Nicht möglich! rief Mährchen.Sie

that ja ſonſt immer ſo freundlich.

O! Ich kenne ſie, die Falſche, antwortete die Königin,aber verſuche es ihr zum Trotze wieder, meine Tochter; wer Gutes thun will, darf nicht raſten.

Ach Mutter! wenn ſie mich dann ganz zurück⸗ weiſen, oder wenn ſie mich verleumden, daß mich die Menſchen nicht anſehen oder einſam und verachtet in der Ecke ſtehen laſſen? 8

Wenn die Alten, von der Mode bethört, Dich ge⸗ ring ſchätzen, ſo wende Dich an die Kleinen; wahrlich, ſie ſind meine Lieblinge, ihnen ſende ich meine lieb⸗ lichſten Bilder durch Deine Brüder, die Träume, ja, ich bin ſchon oft ſelbſt zu ihnen hinabgeſchwebt, habe ſie geherzt und geküßt und ſchöne Spiele mit ihnen ge⸗ ſpielt; ſie kennen mich auch wohl, ſie wiſſen zwar meinen Namen nicht, aber ich habe ſchon oft bemerkt, wie ſie Nachts zu meinen Sternen hinauflächeln, und Morgens wenn meine glänzenden Lämmer am Himmel ziehen, vor Freude die Hände zuſammenſchlagen. Auch

wenn ſie größer werden, lieben ſie mich noch, ich helfe