ſchen zu beglücken. Einſt kam Mährchen, die älteſte Tochter der Königin, von der Erde zurück. Die Mutter bemerkte, daß Mährchen traurig ſei, ja hie und da wollte es ihr bedünken, als ob ſie verweinte Augen hätte.
„Was haſt Du, liebes Mährchen,“ ſprach die Köni⸗ gin zu ihr;„Du biſt ſeit Deiner Reiſe ſo traurig und niedergeſchlagen, willſt Du Deiner Mutter nicht anver⸗ trauen, was Dir fehlt?“
„Ach! liebe Mutter,“ antwortete Mährchen, nich hätte geſchwiegen, wenn ich nicht wüßte, daß mein Kummer auch der Deinige iſt.¹
„Sprich immer, meine Tochter,“ bat die ſchöne Königin,„der Gram iſt ein Stein, der den Einzel⸗ nen niederdruͤckt, aber Zwei tragen ihn leicht aus dem Wege.“
„Du willſt es,“ antwortete Mährchen;„ſo höre: Du weißt, wie gerne ich mit den Menſchen umgehe, wie ich freudig auch zu dem Armſten vor ſeine Hütte ſitze, um nach der Arbeit ein Stündchen zu verplau⸗ dern; ſie boten mir auch ſonſt gleich freundlich die Hand zum Gruß, wenn ich kam, und ſahen mir lächelnd und zufrieden nach, wenn ich weiter ging; aber in dieſen Tagen iſt es gar nicht mehr ſo!“
„Armes Mährchen!“ ſprach die Königin und ſtreichelte ihr die Wange, die von einer Thräne feucht war.„Aber Du bildeſt Dir vielleicht dies Alles nur ein?“ 3
„Glaube mir, ich fühle es nur zu gut,“ entgegnete Maährchen, ſie lieben mich nicht mehr. Überall, wo ich inkomme, begegnen mir kalte Blicke; nirgends bin ich
1 4


