Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Mancher hatte aber nicht Phantaſie genug, um ſich ganz in jene herrliche vergangene Zeiten hineinzu⸗ denken, man fühlte allgemein das Bedürfniß von Handbüchern, die wie Mode⸗Jouruale neuerer Zeit über Sitten und Gebräuche bei unſeren Vorfahren uns belehrt hätten, da trat jener fromme Ritter auf; ein zweiter Orpheus, griff er in die Saiten und es geſtand ein neu Geſchlecht; die Mädchen, die bei den franzöſi⸗ ſchen Garniſonen etwas frivol geworden waren, wur⸗ den ſittige, keuſche, fromme Fräulein, die jungen Herren zogen die modiſche Fräcke aus, ließen Haar und Bart wachſen, an die Hemder eine halbe Elle Leinwand ſetzen, undKleider machen Leute ſagt ein Sprüch⸗ wort, probatum est, auch ſie waren tugendlich, tapfer und fromm. 4

God dam! Sie haben Recht, ich habe ſolche Fi⸗ guren geſehen; unterbrach ihn der Engländer,vor acht Jahren machte ich die große Tour und kam auch nach der Schweiz. Am Vierwaldſtädter See ließ ich mir den Ort zeigen, wo die Schweizer ihre Republiken ge⸗ ſtiftet haben. Ich traf auf der Wieſe eine Geſellſchaft, die wunderlich, halb modern, halb aus den Garderoben früherer Jahrhunderte ſich gekleidet zu haben ſchien. Fünf bis ſechs junge Männer ſaßen und ſtanden auf der Wieſe und blickten mit glänzenden Augen über den See hin. Sie hatten wunderbare Mützen auf dem Kopf, die faſt anzuſehen waren wie Pfannkuchen. Lange wallende Haare fielen in maleriſcher Un⸗ ordnung auf den Rücken und die Schultern; den Hals trugen ſie frei und hatten breite, zierlich geſtickt

W. Hauffs Werke, VI, 13