76 nicht verſäumen, meine Rache am Doktor Schnatterer zu erzählen.
Beſagter Doktor hatte die löbliche Gewohnheit, Sonntag Nachmittags mit mehren andern Profeſſoren in ein Wirthshaus ein halbes Stündchen vor der Stadt zu ſpazieren. Dort pflegte man, um die ſteifgeſeſſenen Glieder wieder auszurenken, Kegel zu ſchieben und al⸗ lerlei ſonſtigen Kurzweil zu treiben, wie es ſich für ehrbare Männer geziemt; man ſpielte wohl auch bei verſchloſſenen Thüren ein Whiſtchen oder Piquet und trank manchmal ein Gläschen über Durſt, was wenig⸗ ſtens die böſe Welt daraus erſehen wollte, daß ſich die Herren Abends in der Chaiſe des Wirthes zur Stadt bringen ließen.
Der ehrwürdige Theologe aber pflegte immer lang vor Sonnenuntergang heimzukehren, man ſagt, weil die Frau Doktorin ihm keine längere Friſt erlaubt hatte: er ging dann bedächtlichen Schrittes ſeinen Weg, vermied aber die breite Chauſſee und ſchlug den Wie⸗ ſenpfad ein, der dreißig Schritte ſeitwärts neben je⸗
ner hinlief; der Grund war, weil der breite Weg am ſchönen Sonntag Abend mit Fußgängern beſäet war, der Doktor aber die höhere Röthe ſeines Geſichts und den etwas unſichern Gang nicht den Augen der Welt zeigen wollte.
So erklärten ſich die Böſen den einſamen Gang Schnatterers; die Frommen aber blieben ſtehen, ſchau⸗ ten ihm nach und ſprachen:„Siehe, er geht nicht auf
dem breiten Weg der Gottloſen, der fromme Herr


