Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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77 Doktor, ſondern den ſchmalen Pfad, welcher zum Leben führt.“

Auf dieſe Gewohnheit des Doktors hatte ich meinen Racheplan gebaut. Ich paßte ihm an einem ſchönen Sonntag Abend, der alle Welt ins Freie gelockt hatte, auf, und er trat noch bei guter Tageszeit aus dem Wirthshaus. Mit demüthigem Bückling nahte ich mich ihm und fragte, ob ich ihn auf ſeinem Heimweg be⸗ gleiten dürfe, der Abend ſcheine mir in ſeiner gelehrten Nähe noch einmal ſo ſchön.

Der Herr Doktor ſchien einen kordialen Hieb zu haben; er legte zutraulich meinen Arm in den ſeinigen und begann mit mir über die Tiefen der Wiſſenſchaften zu peroriren. Aber ich ſchlug ſein Auge mit Blindheit, und indem ich als ehrbarer Studioſus neben ihm zu gehen ſchien, verwandelte ich meine Geſtalt und er⸗ ſchien den verwunderten Blicken der Spaziergänger als die ſchöne Luiſel, die berüchtigſte Dirne der Stadt. — Ach! daß Hogarth an jenem Abend unter den ſpa⸗ zierengehenden Chriſten auf dem breiten Wege gewan⸗ delt wäre; Welch herrliche Originale für frommen Un⸗ willen, ſtarres Erſtaunen, hämiſche Schadenfreude hätte er in ſein Skizzenbuch niederlegen können!

Die Vorderſten blieben ſtehen, als ſie das ſeltſame Paar auf dem Wieſenpfad wandeln ſahen, ſie kehrten um, uns zu folgen, und riſſen die Nachkommenden mit. Wie ein ungeheurer Strom wälzte ſich uns die erſtaunte Menge nach, wie ein Lauffeuer flog das un⸗ glaubliche Gerücht:„Der Doktor Schnatterer mit der ſchönen Luiſel!“ von Mund zu Mund der Stadt zu.