Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Man denke ſich einen weiten, niedrigen Saal, voll⸗ gepropft mit jungen Leuten in den abenteuerlichſten Geſtalten. Mützen von allen Farben und Formen, lange herabwallende, kurze emporſteigende Haare, Bärte, an welchen ſich ein Sapeur der alten Garde nicht hätte ſchämen dürfen, und kleine zierliche Stutzbärtchen, ga⸗ lante Fräcke und hohe Cravatten, neben deutſchen Rö⸗ cken und ellenbreiten Hemdkrägen. So ſaßen die jungen geiſtlichen Herren im Collegium. Vor ſich hatte jeder eine Mappe, einen Stoß Papier, Dinte und Feder, um die Worte der Weisheit gleich ad notam zu nehmen. „O Platon und Sokrates!“ dacht ich,„hätten Eure Studioſen und Akademiker nachgeſchrieben, wie man⸗ ches Wort tiefer, heiliger Weisheit wäre nicht umſonſt verrauſcht; wie majeſtätiſch müßten ſich die Folianten von Socratis opera in mancher Bibliothek ausneh⸗ men!“—

Jetzt wurden alle Häupter entblößt. Eine kurze, dicke Geſtalt drängte ſich durch die Reihen der jungen Herren dem Katheder zu, es war der Doktor Schnat⸗ terer, den ich geſtern beſucht hatte. Mit Wonnegefühl ſchien er die Verſammlung zu überſchauen, huſtete dann etwas Weniges und begann: 3

„Hochachtbare, Hochanſehnliche!“(damit meinte er die, welche ſechs Thaler Honorar zahlten.)

„Werthgeſchätzte!“(die, welche das gewöhnliche Honorar zahlten.)

„Meine Herren!“(das waren die, welche nur die Hälfte oder aus Armuth gar nichts entrichteten.) Und nun hob er ſeinen Sermon an, die Federn raſſelten,

„S. Hauffs Werke, VI. 5