Druckschrift 
Der Brand-Müller : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

104

Verbrechens aneignen zu können. Meine Vermuthung hat mich nicht getäuſcht. Der Böſewicht hat es ſchlau genug angefangen, aber zuletzt bricht doch das Gebäude der Lüge zuſammen. Ja, ja, ja, die Sünde iſt der Leute Verderben! Danken Sie Gott auf den Knieen, junger Mann, daß er noch bei Zeiten Ihr Herz der aufrichtigen Reue zugänglich gemacht hat.

Nach geſchehener Unterſuchung wurde Vincenz her⸗ bei befohlen. Trotzig kam er, und machte auch nicht einmal den Verſuch, zu läugnen, wovon die Beweiſe klar genug vorlagen. 3

Geſchehe mit mir, was will, ſagte er.Der Streich iſt mißlungen. Es freut mich nur, daß der Schwach⸗ kopf, der Leonhard, mein Schickſal theilen muß.«

Das muß er nicht, er iſt frei, ſagte der Direktor.

Aber er iſt doch der eigentliche Betrüger, rief Vincenz.

Ja, von dir dazu getrieben, aber durch ſeine beſ⸗ ſeren Regungen iſt er noch zu rechter Zeit gerettet worden, entgegnete der Direktor.Geſtern ſchon hat er Alles bekannt, und heute hat er freiwillig das un⸗ rechte Gut zurückerſtattet. Wir haben keinen Anlaß mehr zur Klage gegen ihn. Du aber biſt der Dieb, der ihn beſtohlen hat, und dich wird die Strafe treffen, die du ihm zudachteſt. Und das mit Recht, denn er war immer nur dein Werkzeug und du wareſt der eigentliche Thäter und Urheber der Schlechtigkeiten die begangen worden ſind. Büße nur dafür! Dich trifft der Lohn, der der Sünde gebührt.

Und ihn? Ihn?« fragte Vincenz heftig.

Sein Loos kümmert dich nicht weiter, erwiederte der Direktor.Führt ihn hinweg!