Druckschrift 
Der Brand-Müller : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Herren und ich haben Ihren Fall in Erwägung ge⸗ zogen und beſchloſſen, Ihr Anerbieten allerdings an⸗ zunehmen aber dann auch nicht weiter gegen Sie zu verfahren. Noch mehr, wir hoffen auch Ihre Ehre vor der Welt zu retten. Darum empfehlen wir Ihnen ſtrenges Schweigen über alles Geſchehene. Morgen werden Sie weiter von uns hören. Bis dahin Ruhe und Schweigen. Leben Sie wohl, morgen mehr. Leonhard ſtand da, als ob er der Erde entrückt wäre und eine Stimme aus dem Himmel vernommen hätte. Nicht das hatte ihm Ueberwindung gekoſtet, das ungerechte Gut zurückzugeben, ſondern das ſchwerſte war ihm geweſen, die Furcht vor der öffentlichen Schande und vor der Strafe des Zuchthauſes zu überwinden. Durch und durch erſchüttert ſtand er da, zog die Hand des Direktors an ſeine Lippen und bedeckte ſie mit Küſſen und Thränen, indem er Worte des innigſten Dankes, der tiefſten Rührung ſtammelte. Faſſen Sie ſich! Beruhigen Sie ſich!« ſprach der Direktor freundlich.Wir Alle meinen es gut mit Ihnen, und mit Gottes Hülfe wird auch noch Alles gut werden. Gehen Sie jetzt nach Haus, und noch einmal ſchärf' ich es Ihnen ein ſchweigen Sie!« Leonhard verabſchiedete ſich, beſtieg ſein Pferd und ritt hinweg. Wie er nach Hauſe gekommen war, wußte er kaum. Ein unbeſchreibliches Gefühl des Glückes erfüllte ihn ſo ganz und gar, daß er für nichts Anderes mehr Aufmerkſamkeit hatte. Auf ſeinem Hofe trat ihm Vincenz entgegen, aber es war bereits dunkel und er konnte daher nicht in Leonhards Zügen leſen. Leon⸗ hard machte ſich auch raſch von ihm los, und begab ſich, Mudigkeit vorſchützend, in ſein Zimmer, wo er