Druckschrift 
Der Brand-Müller : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Frucht der Sünde, obgleich ſie verlockend erſcheint, wenn die Sünde noch nicht begangen, hat einen zu bitteren Geſchmack, ich mag ſie nicht. Ich will Buße thun, Mar⸗Lene! Ich will das Härteſte erdulden und demü⸗ thig tragen, wenn nur mein Gewiſſen gereinigt wird von ſeinem Ausſatz! Rathe mir, gute Mar⸗Lene! Rathe mir, was ſoll ich thun!

Die alte Frau ſaß lange ſtill; ihre gefalteten Hände lagen auf ihrem Schooße, und Thräne auf Thräne perlten aus ihren alten Augen auf ſie nieder.

Du haſt ſchwer geſuͤndigt vor Gott und den Men⸗ ſchen, Leonhard, ſagte ſie endlich,aber doch iſt deine Schuld nicht ſo groß, daß ſie nicht könnte verge⸗ ben werden, wenn es dir ernſtlich und wahrhaftig um Reue und Buße zu thun iſt. Vor Allem mußt du den

ungerechten Mammon von dir thun. Sage mir, Leon⸗ hard, willſt du das? Willſt du das unrechte Gut zu⸗ rückerſtatten?«

Ja, Mutter, ich will es, und nicht ein Pfennig davon ſoll in meiner Hand zurückbleiben, erwiederte Leonhard.Habe ich doch nie Freude daran gehabt, ſondern nur immer Kummer und Schmerzen. Ja, ich will Alles zurück erſtatten, Mutter, und mit dem Stecken in der Hand von hinnen gehen. Oh, ich habe es wohl eingeſehen, daß es beſſer iſt, ein Bettler zu ſein mit gutem Gewiſſen, als in Reichthum zu ſchwelgen mit vergiftetem Herzen. Ja, Mutter, weit von hier will ich gehen, in ein fremdes Land, und mich als Knecht verdingen, oder Weg⸗Steine klopfen, oder Holz fällen, oder ſonſt jede Arbeit thun, nur um des täglichen Bro⸗ des willen. Dieſer Entſchluß ſteht feſt, gute Mar⸗Lene,