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einen freien Platz auf dem Tiſche nieder und rückte ſich einen Stuhl heran.
Man ließ ihn gewähren, aber ſeltſame Blicke tauſch⸗ ten die Bauern unter ſich aus. Keiner ſprach ein Wort, Alles war ſo ſtill und ſtumm, daß man die Fliegen an der Stubendecke ſummen hörte. In Leon⸗ hards Bruſt kochte Wuth und Verzweiflung, denn er ſah wohl, man wollte hier nichts von ihm wiſſen. Gleichwohl bezwang er ſich.
„Euer Wohl, Herr Schulze!“« ſagte er, und erhob ſein Glas, um mit ihm anzuſtoßen.
Der Schulze blickte ihn groß an, und ſchob dann mit einer raſchen Bewegung ſeinen Krug von ſich.
„Ich danke,“ erwiederte er dann barſch und abſto⸗ ßend.„Ich habe genug getrunken, und nun— keinen Tropfen mehr. Wer geht mit mir nach Hauſe?«
„Ich! Ich! Ich!« riefen alle Gäſte, und Alle ſtan⸗ den auf vom Tiſche, ließen ihre zum Theil noch ge⸗ füllten Krüge ſtehen, und verließen die Schenke, ohne Leonhard auch nur einmal gute Nacht zu wünſchen.
Leonhard war wie zerſchmettert und vernichtet. Welchen ſchweren Verdacht mußten dieſe Leute, einſt Freunde ſeines Vaters und einſt ſeine eigenen, gegen ihn hegen, da ſie ihn mit ſo unverhohlener Verachtung behandelten! Es wollte alſo Niemand mehr bei ihm ſitzen, Niemand mit ihm anſtoßen und mit ihm trinken, die Leute gingen lieber und ließen ihren Labetrunk im
Stich, als daß ſie mit ihm dieſelbe Luft in demſelben
Zimmer geathmet hätten! Und doch war er freigeſpro⸗ chen vom Gericht! Niemand durfte ungeſtraft ihn be⸗ ſchuldigen, daß er ein Verbrechen begangen habe! Woher nun dieſe abſichtliche Verachtung?


