ſchwichtigen, und ging dann in der Richtung, welche der Junge ihm angedeutet hatte.
Wie lange er gegangen war, als er in der Nähe erleuchtete Fenſter erblickte, wußte er nicht; aber ſehr ſpät konnte es noch nicht ſein, denn noch ſaßen in der Schenke des Dorfes mehrere Bauern plaudernd beiſam⸗ men, und durch die Fenſter lugend, erkannte Leonhard den Dorf⸗Schulzen und einige Bauern, denen er im vergangenen Jahre ihre Saat⸗Erndte abgekauft hatte. Hunger und Durft folterten ihn; das ſchäumende Bier in den Glaskrügen der Bauern reizte ſeinen Appetit, und er wäre gern in die Schenke getreten, wenn ihn nicht Scheu vor den Leuten zurückgehalten hätte. Er zögerte. Aber gleich darauf überkam ihn ein trotziger Ingrimm.
„Ich will doch ſehen,« murmelte er,„ob man mir einen Trunk verweigern wird!“
Entſchloſſen trat er in das Haus und in die Gaſt⸗ ſtube. Bei ſeinem Erſcheinen ſtutzten alle Anweſenden, und:„der Brand⸗Müller! der Brand⸗Müller!“ flüſter⸗ ten unwillkührlich einige Lippen. Leonhard hörte es, denn tiefe Stille herrſchte, ſobald man ihn erkannt hatte, aber er that, als ob er nichts gehoͤrt hätte, und ging an den Tiſch.
»„Guten Abend,“ ſagte er.„Herr Wirth, mir einen Krug Bier!«
Keiner erwiederte ſeinen Gruß; zögernd brachte der Wirth das Verlangte, und ſchien ſich zu beſinnen, ob er den Krug auf den Tiſch ſetzen ſollte, wo die Gäſte ſaßen. Leonhard aber machte ein Ende, nahm ihm den Krug aus der Hand, trank daraus, ſiellte ihn auf


