9
in dein Haus und an dein Herz genommen haſt, dich unter ſeine Füße treten wird! Ich ſage dir, er wird eines Tages hier Herr ſein und du der Knecht! Und nun waſche ich meine Hände in Unſchuld!“
„Nach dieſen Worten hat ſie den Vincenz mit einem ſchrecklichen Blicke angeſehen, und die geballte dürre Fauſt gegen ihn geſchüttelt.
„,Und dir, ſage ich, hat ſte mit dumpfer Stimme
hinzu gefügt,— ‚daß aller Raub dir keinen Segen bringen wird, ſondern er wird unter deinen Händen verrinnen, wie Waſſer, denn die Sünde iſt der Leute Verderben, und ſchlimmer noch als der Sünder iſt der Verſucher!
»Darnach iſt ſie fortgehumpelt an ihrem Krückſtocke, und ſoll ſich ſeitdem nicht wieder haben ſehen laſſen in
der Unterſtube. Oben in ihrem Dachſtübchen hockt ſie,
wie eine Eule in ihrem Felſenloche, und ſieht: keinen Menſchen, als die Magd, die auch ſchon manches Jahr in der Mühle dient und ihr nur das tägliche Eſſen bringt.“«—
»Sie mag eine gute, brave Frau ſein,“ ſprach der Bauer Jörgel,„und eine Here iſt ſie gewiß nicht,— ſolchen dummen Aberglauben haben wir ſchon lange nicht mehr,— aber bei alledem, fürchten könnt' ich mich vor ihr, und möchte um keinen Preis mit ihr
unter demſelben Dache wohnen! Sie hat doch etwas Unheimliches an ſich, und wenn ſie Einen ſo ſcharf an⸗
ſteht, mit ihren durchdringenden, blitzenden Augen, die wie ſpitzige Meſſer ſtechen, ſo rieſelt's Einem ganz kalt über den Leib. Nein, das könnt' ich dem Wildbach⸗
Müller nicht verdenken, wenn er ſie auf eine gute Art
aus dem Hauſe ſchaffte!«


