6
größer, ſo daß ich's ihm faſt neidete, ſein Glück, aber es dauerte gar nicht lange, ſo ſchlug's um, und in einer Viertelſtunde hieß es: wie gewonnen, ſo zerron⸗ nen. Das ganze Geld war wieder fort, aber die dicken Schweißtropfen ſtanden dem Leonhard auf der Stirne. Was that er? Er ſah ſich nach mir um, kam auf mich zu und forderte hundert Thaler von mir, nur bis auf heute, wo er mir ſie heimzahlen wollte.»Nein,“ ſagte ich,„Nachbar, nicht hundert Pfennige zu ſolchem ſünd⸗ lichen Spiel, was Ihr da treibt. Wenn das Euer ſeliger Vater ſehe, wie Ihr ſein ſchönes Geld verſchleu⸗
dert, im Grabe thät' er ſich umdrehen!« Da murmelte
er mir eine Verwünſchung zu zwiſchen den Zähnen, ich that aber gar nicht, als ob ich's hörte, denn Streit wollte ich nicht mit ihm anfangen. Er aber ſuchte den Löwenwirth und borgte von dem. Was nachher dar⸗ aus geworden iſt, weiß ich nicht, denn ich hatte keine Luſt, noch länger auf ihn zu warten, ſondern ging meiner Wege. Der Hausknecht unten aber ſagte mir, der Wildbach⸗Müller habe ſchon manchen ſchönen Tha⸗ ler Geld da oben ſitzen laſſen, und es verging keine Woche, wo er nicht zweimal die Nächte am Spieltiſche zubrächte.“
Der Schulze und die übrigen Bauern ſchüttelten die Köpfe.
„Nun iſt mir's freilich klar genug, wohin die baaren blanken Silberſtuͤcke geflogen ſind, die der alte Wild⸗ bach⸗Müller ſeinem ungerathenen Sohne in Truhen und Kaſten hinterlaſſen hat, wie ich recht wohl weiß,« ſagte der Schulze.„Ich glaub' auch gar, daß er in dem einen kurzen Jahre ſchon tüchtige Schulden ge⸗ macht hat, denn wenn eine Wirthſchaft erſt einmal


