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John Milton und seine Zeit : historischer Roman / von Max Ring
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meiſten edlen Geiſter, fand Milton erſt nach ſeinem Ableben die vollſte Anerkennung, welche jedoch mit Unrecht vorzugsweiſe ſeinemverlorenen Paradieſe zu Theil wurde. Seine proſaiſchen Werke tragen ebenſo den Stempel des Genies trotz der ihnen anklebenden Mängel, welche mehr ſeiner pedantiſchen Zeit, als dem Verfaſſer angehören. Umſomehr verdienen dieſelben unſere Bewunderung und Beachtung, da ſie faſt jede große Frage der Menſchheit berühren und alle die politiſchen und ſocialen Intereſſen ſich zur Aufgabe ſtellten, deren befriedigende Löſung bis in die neueſte Zeit hinein die vorzüglichſten Geiſter verſucht haben. In dieſen Schriften lernen wir Milton als den unermüdlichſten Kämpfer der Freiheit kennen, als den großen Vorläufer eines Rouſ⸗ ſeau und der franzöſiſchen Revolution. An der Grenze der alten und neuen Zeit ſteht er wie ein geiſtiger Rieſe da, mit der ſtrahlenden Krone des Dichters geſchmückt, welche durch ihren Glanz die Verdienſte des Publiziſten längere Zeit verdunkelt hat. Milton ſelbſt vergaß über den Poeten nicht den Menſchen, über den Dichter nicht den Staatsbürger. Er ſchloß ſich nicht ſelbſtſüchtig von der Welt ab, ſondern lebte ein volles ganzes Menſchenleben aus. Er opferte Alles ſeiner Ueberzeugung und ſcheute keinen Kampf, keine Verfolgung, keine Unruhe für die Idee, welche er vertrat. Er ſtützte ſich auf den feſten Glauben an das Chriſtenthum. Aus der Religion, aus den ewigen Wahrheiten des Evangeliums ſchöpfte er die nöthige Kraft. So faßte er ſeine Aufgabe als eine große, göttliche Miſſion auf; daher der ſtrenge ſittliche Ernſt, die gewaltige Energie und der heilige Eifer, welche ihn auch dann nicht verlaſſen, wenn er Anſichten vertritt und Grundſätze vertheidigt, welche einem noch beſchränkten und in manchen Beziehungen verfinſterten Zeitalter angehören. Auch in ſeinen Streit⸗ ſchriften, wo er im Geiſte ſeines Jahrhunderts mit einer uns fremden Rückſichtsloſigkeit auftritt und ſeinen Gegner perſönlich angreift, weiß er ſich eine gewiſſe Würde zu wahren. Selbſt in ſeinen Irrthümern lernen wir ihn darum achten, weil ſie aus dieſem Drange nach der Wahrheit ſtammen. Er ſchrieb auch nicht eine Zeile, welche nicht für ſeine edle Geſinnung, für ſeine Liebe zum Vaterlande, zur Menſchheit und für die Freiheit zeugte. Er war der geborene Feind jeder Beſchränkung, mochte ſie in der Erziehung, im häuslichen Leben, im Staate oder in der Kirche ſich geltend machen. In ſeinen Augen war D. B. XII. Milton u. ſeine Zeit. 36