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jeder Menſch frei geboren und ſollte, um ſeine Aufgabe vor Gott und den Menſchen würdig zu erfüllen, die ganze Freiheit ungeſchmä⸗ lert beſitzen. Deshalb verlangte er Achtung aller natürlichen Men⸗ ſchenrechte, Trennung der Kirche von dem Staate, freie Forſchung für die Wahrheiten der Bibel, Freiheit des Wortes, der Preſſe, der Er⸗ ziehung und des ehelichen Verhältniſſes. In ſeinen proſaiſchen Schrif⸗ ten hat Milton gleichſam die Grundlinien einer neuen geſellſchaftlichen Ordnung gezogen. Wenige Fragen, die uns heute beſchäftigen, dürfte es nur noch geben, die er nicht beachtet hätte. Die Befreiung Grie⸗ chenlands, die Reform des Wahlgeſetzes, die Verbeſſerung des öffent⸗ lichen Unterrichts, die Eheſcheidung, alle die Wünſche und Hoffnungen der Gegenwart hat er mit ahnendem Geiſte vorausgeſehen und ange⸗ regt. Gleich den Propheten des Herrn ſah er in die fernſte Zukunft und ſein Genie eilte nicht nur ſeiner Zeit, ſondern ſelbſt der unſrigen in mancher Beziehung voraus.—
Keiner ſeiner Zeitgenoſſen kam ihm gleich an geiſtiger Kraft, Sittlichkeit und Charakterfeſtigkeit. Mitten in den Tagen der allge⸗ meinen Verderbniß und des Abfalls blieb er ſich ſelber und ſeinen Grundſätzen treu. Seine Fehler und Irrthümer gehören dem Jahr⸗ hundert an, in welchem er lebte, ſeine Tugenden und ſein Genie ihm allein.—


