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— Armer Simſon! rief Marvell, tief gerührt die Hand des Dich⸗ ters ergreifend. Bleibt dir kein anderer Troſt? Wir müſſen uns fügen und das Unvermeidliche mit Geduld tragen.
— Allerdings beſitze ich dieſe und vor Allem das Vertrauen zu dem Walten der göttlichen Vorſehung, nichtsdeſtoweniger ſchmerzt die Wunde und Niemand wird es meinem Simſon verdenken, wenn er unter der ſchweren Laſt aufſchreit und Gott um das Ende ſeiner Tage bittet. 3
— Doch wollt Ihr nicht fortfahren, bat Marvell, wenn Ihr Euch bei Eurem Vortrage nicht allzuſehr anſtrengt, oder aufregt.
— Auf Simſon's Klagen antwortet der Chor ſeiner iſraelitiſchen Freunde, den ich nach dem Vorbilde der griechiſchen Tragödie benutzt habe:
Viel ſind der Sprüche weiſer Männer,
In alten und in neuen Schriften eingetragen Anpreiſend die Geduld als wahre Kraft; Troſtreden auch ſind dort geſchrieben
Für alles Uebel, allen Wechſel, dem
Des Menſchen ſchwaches Leben unterworfen, Mit Gründen wohl belegt und Ueberredungskunſt Geſchildert, als Beſänftigung für Kummer Und Angſt; doch hilft Unglücklichen
In bitt'rer Qual ihr Laut gar wenig nur, Er ſcheint ein rauher Ton, mißtönend mit Der Klage, bis er in ſich
Von oben her empfangen, eine Quelle
Des Troſtes fühlt, eine geheime
Erfriſchung, die Kräfte zu erneuen,
Die ſchwachen Geiſter aufrecht zu erhalten.— Gott unſerer Väter! was iſt doch der Menſch, Daß ſo verſchieden du—
Soll ich es eher widerſprechend nennen?— Auf ſeiner kurzen Laufbahn deine Führung Beſtimmteſt, nicht gleichmäßig,
Wie ja der Engel Schaaren und die ſtummen Niedern Geſchöpfe, die vernunftloſen
Und dummen, du regierſt?


