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John Milton und seine Zeit : historischer Roman / von Max Ring
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Während er in dieſer Schöpfung ſeine Leiden ergoß, erhielt er nur

noch von Zeit zu Zeit den Beſuch des treuen Marvell. Dieſer wackere Mann war einer von den Wenigen, die ihrer Ueberzeugung treu ge⸗

blieben, er hatte alle Anerbietungen Karl's verſchmäht, der ſeine Be⸗ 3

deutung anerkannte und ihn für ſich zu gewinnen ſuchte. Dem Schatz⸗ kanzler Danby, der ihm eine Stelle am Hofe anbot, zeigte er eine

angeſchnittene Schöpſenkeule und ſagte dazu: Glaubt Ihr, daß ein

Mann, der eine Woche von dieſer Keule lebt, noch mehr bedarf? Als der Kanzler ſich entfernt hatte, mußte Marvell zu einem Freunde ſchicken, um ſich eine Guinee zur Friſtung ſeines Lebens zu borgen. Mit dieſem Freunde theilte Milton den Reſt ſeines Vermögens, mit ihm erinnerte er ſich der Vergangenheit und ihn machte er mit ſeinem neuen Werke bekannt, das er in dramatiſcher Form erſcheinen ließ.

Dryden, ſagte der Dichter, hat von mir ein Drama verlangt, nun hab' ich ein Schauſpiel gedichtet, das jedoch wenig Hoffnung haben dürfte, bei Hofe aufgeführt zu werden. 3

Und welchen Stoff habt Ihr gewählt, mein würdiger Freund?

Mein Held iſt der blinde Simſon.

Der blinde Simſon, wiederholte Marvell wehmüthig.

Blind wie ich, verlaſſen wie ich, aber voll Hoffnung auf den Ewigen. So ſitzt er unter den Thoren von Gaza, während die Phi⸗ liſter ihre ſcheußlichen Götzen feiern und ſich im Weine berauſchen. Hört ſeine Klagen:

O daß der Schmerz nicht an des Körpers Wunden Und Schäden ſich begnügen läßt

Trotz unzählbarer Uebel

Im Herzen, Kopfe, Bruſt und Nieren! Daß er geheime Wege auffinden muß

Zur innerlichſten Seele,

Dort alle ſeine wilde Qual zu üben

An ihrem reinſten Geiſt zu zehren,

So wie an Eingeweiden und an Gliedern, Mit heftigerer Pein noch,

Wiewohl dem Körper ſie nicht fühlbar iſt! Mein Kummer quält mich ſo,