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Aber auch kein Dritter? Da war noch in dem Hauſe der guten Tante Derby ein junges Dichterlein mit einem ſo feinen, ſchwär⸗ meriſchen Angeſicht, daß ich geneigt war, ihn für ein. verkleidetes Mädchen, für eine arkadiſche Schäferin zu halten. Selbiger Poet beſchäftigte ſich ganz beſonders mit meinem holden Sa weſterchen und ver⸗ wendete keinen ſeiner feurigen, ſtumm beredten Blicke von ihrem Angeſicht.
Ich weiß wirklich nicht, wen du meinen kannſt, erwiederte das erröthende Mädchen mit einiger Verlegenheit.
O Verſtellung! dein Name iſt Weib, parodirte der Jüngling im neckenden Tone. Sollteſt du wirklich nicht einen gewiſſen John Milton, den zierlichen Dichter der Arkadier, in dem Hauſe unſerer Tante, der Gräfin Derby, bemerkt haben? 4
Allerdings habe ich ihn geſehen, entgegnete Alice ſcheinbar unbe⸗ fangen. Auch habe ich einige Worte mit ihm geſprochen. Er ſchien mir einſylbig und menſchenſcheu.
Sag lieber unbeholfen und linkiſch, wie die meiſten Männer, welche mehr mit ihren Büchern, als mit der Welt und den Menſchen verkehren, bemerkte der ältere Bruder, der bisher ſtillſchweigend dem Geſpräche zugehört hatte.
Ich finde dieſe Unbeholfenheit durchaus nicht lächerlich, antwortete das holde Mädchen ein wenig gereizt. Dichter ſind wie die Nachtigal⸗ len; ſie ſchweigen in laut ſchwatzender Geſellſchaft und ſingen am ſchönſten in der Einſamkeit. 4
Gut gegeben, ſcherzte Thomas. Doch ich halte es lieber mit dieſem gebratenen Faſanen als mit all euren poetiſchen Nachtigallen und ähnlichen unnützen Singvögeln.
Alice ſpöttelte lächelnd über die proſaiſche Natur des Bruders, während dieſer ſie im heiteren Tone mit ihrer Vorliebe für Poeſie und Poeten anmuthig aufzog. Der ältere Bruder hörte einige Zeit den hin⸗ und herfliegenden Wortwitzen zu, ohne indeß ſeine gewohnte Vorſicht zu vergeſſen. Mehr als einmal ſchon hatte er voll Beſorgniß die ſcherzhafte Unterhaltung durch ſeine Mahnung unterbrochen, das Geſpräch zu beenden und ſich auf den Weg zu machen, da die Zeit im raſchen Fluge unbemerkt verſtrich. 3
Nur noch ein Viertelſtündchen, bat die liebliche Schweſter, welche ſich von dem reizenden Aufenthalte nicht ſo leicht zu trennen vermochte.


