Druckschrift 
Jeder ist seines Glückes Schmied : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

empfand, war durch keinen Tropfen herben Leides ver⸗ bittert worden.

Aber ſeit ſeinem Tode! Seinem ſo ſchrecklichen und plötzlichen Ende! Ach, wie ſtand da Alles ſo ganz anders! Die Stütze des Hauſes, der Ernährer der Familie fehlte, und das bisherige, beſcheidene Glück der armen Wittwe verwandelte ſich mit Einem Schlage, in Vergleiche zu früher wenigſtens, in Mangel und

lend.

Frau Arnold konnte anfänglich das Unglück kaum verwinden und noch weniger vergeſſen; Schrecken und Gram hatten es mit zu unvertilgbaren Zügen ihrem

Gedächtniſſe eingeprägt. Immer ſtand das traurige 3 Bild vor ihren Augen, wie man eines Tages ihren 4 Mann ganz bleich und blutig und kaum noch athmend auf einer Tragbahre gebracht hatte. Er war im Berg⸗ werke bei der Erfüllung ſeiner Pflicht verunglückt. Ein.

morſcher Stollen, der aufgebeſſert werden ſollte, war zuſammengebrochen und hatte ihn verſchüttet. Sterbend wurde er nach ſeinem Hauſe, und drei Tage ſpäter todt aus dem Hauſe nach dem Kirchhofe zur letzten Ruheſtätte getragen. Dort begrub man ihn, und mit ihm das ſtille Glück der armen Wittwe, die nun allein ſtand, gebeugt unter der Laſt ihrer Leiden, ohne Stütze, ohne Hülfe, allein mit ihren fünf Kindern, die mit weinenden Augen zu ihr aufblickten.

In ſolcher ſchrecklichen Lage fand Frau Arnold nur Einen Troſt, den Troſt im Gebete zum Herrn, der ihr die ſchwere Laſt aufgebürdet. Und ſiehe, es ging an ihr in Erfüllung, was geſchrieben ſteht im Buch der Bücher: der Herr hilft denen, die zer⸗

6 ſchlagen Gemüth haben, und Ihn anru

65