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Kindes, das ſie einſt war. Eine glühende Liebe für ſie brauchte in ſeinem Herzen nicht erſt zu entſte⸗ hen, ſie lag ſchon darin und wachte nur auf mit friſcher Lebenskraft bei dem ſüßen Hauche von Flo⸗ rinens ſchöner Natur, ihrem Sein und Leben, das ihn ein unendliches Gebiet von Herrlichkeit und Glück ahnen ließ. Mein Freund, ſagte Florine, indem ſie eines Tages mit ihm an dem Grabe ihres Vaters weilte, mein Freund, ich habe nichts mehr auf dieſer Erde als Gräber und das Anden⸗ ken an theuere Todte. Sei Du mein Vater, mein Bruder, mein Beſchützer. Willſt Du es ſein? Iſt Deine Hand noch frei, ſo reiche ſie mir.
Sie iſt es, theuere Florine, entgegnete Egon
und ſchlang feurig ſeine Arme um die Liebliche. Beider Bund ward über dem väterlichen Grabe ge⸗ ſchloſſen, und Egons Aeltern ſegneten ihn freudig, als er mit dieſer Kunde aus der Fremde zurückkam. Florine war nicht allein das ſchönſte, beßte, ſondern auch das reichſte Mädchen Lyons, und alle Jünglinge dieſer Stadt trauerten, da ſie, an einen Schweizer vermählt, ihren Geburtsort verließ. Glück und Freude aber zogen mit ihr in Oltingen ein, wo ſie bald Aller Herzblatt ward, vorzüglich das
der Aeltern ihres Gatten, denen ſie nach gehöriger


