gram, und jeden ſcheinbaren Grund dafür aufzu⸗ ſuchen; es gelang mir theilweiſe; ich ſelbſt fühlte jedoch nur zu ſehr, wie dieſe Täuſchung immer mehr zur Lüge ward und wie die innere Gluth nur eines geringen Luftzuges, eines Athemzuges bedurfte, um unverſehens hervorzubrechen. Ihr ſelbſt,
theuere Mutter, führtet dieſen Augenblick herbei.
Ich, Kind?
Ja, indem Ihr mich wegen meiner Kälte gegen Egon tadeltet, gegen ihn, zu deſſen Füßen ich ſo gern mein Daſein ausgehaucht hätte, als Ihr mich auffordertet, ſeine Hand zu küſſen, dieſe geliebte Hand, die zu küſſen mein heißeſtes Verlangen war, eine Sehnſucht, welche ich bisher immer mit aller Kraft, deren ich fähig war, zurückgewie⸗ ſen hatte. Jetzt führtet Ihr ſelbſt, gewiſſermaßen mir zum Beiſpiel, ſeine ſchöne, gütige Hand an Euere ehrwürdigen Lippen; dieß ſehen, und meine Stärke brach. Ich wäre vom Stuhle geſunken, hätte Kunibert mich nicht gehalten.
Kunibert, der werthe, mannhafte Gatte, der Vater Euerer künftigen Kinder, Marie, ihm wendet Euere Neigung zu, er verdient ſie auch.—
Ach, was iſt er neben Egon? ein Knecht, nichts Anderes als der letzten einer aus Hof und


