Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

45

Stall, waͤhrend er der Herr und Gebieter iſt überall, wohin er ſein ſtrahlendes Auge richtet. O Baſe, nur einen Kuß auf ſeine Hand, und ich will ſterben.

Arme Marie, Du biſt krank. Doch ſtill, ich höre Sporentritte, der Gang klingt wie der ſeinige. Ja, fürwahr, da kommt er. Soll ich Dich hinüber führen in Deine Wohnung, meine Tochter?

Ach nein, vergönnt mir zu bleiben.

So magſt Du jetzt Deinen Wunſch erfüllen, ſicher wird er Dir nahen, flüſterte die Amtmännin.

Und ſo geſchah es im nächſten Augenblick. Egon trat alsbald zu dem Faulbett, auf welchem die Frau Rüſtmeiſterin ausgeſtreckt lag, und ſagte: Was? Das Bäslein noch immer unwohl? Ich will es nicht glauben. Sprich doch, Marie, liebe, un Marie, biſt Du wirklich leidend?

Er näherte mit dieſen Worten ſeine beiden Hände ihrem Haupte und berührte damit, leiſe koſend, ihre Stirne, ihr Haar, unbefangen, wie ein zärtlich beſorgter Bruder. Jetzt erhob ſie die ihrigen zitternd, erfaßte damit ſeine Rechte und zog ſie an ihr Antlitz, an ihre Wangen, an ihre heißathmenden Lippen; er wollte ſie wegziehen.

Laß doch, ſagte die Mutter, laß doch die gute