Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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zarte Roſe ihres Mundes zu heften, als ein Horn⸗ ruf durch die Luft zog und der Rüſtmeiſter, ſtets aufmerkſam auf ſeinen Dienſt und flink, ihn zu er⸗ füllen, von ſeinem ſüßen Beginnen abließ und auf⸗ horchte.

Der Ruf kam vom Thurmwart und war das herkömmliche Zeichen, daß etwas Außergewöhnliches ſich im weiten Geſichtskreiſe der Burg zutrage, daß Gäſte oder fremde Reiſige im Anzuge ſeien. Die Wiederholung des Hornklangs verkündete deren Nähe, und ein dritter Stoß, der ſoeben erfolgte, zeigte an, daß jene ſich bereits im nächſten Um⸗ kreiſe des Schloſſes befanden. Wirklich vernahmen der Rüſtmeiſter und ſein Weib zu gleicher Zeit ein Geräuſch am Fuße des Burgwalles, das ihre Auf⸗ merkſamkeit verdoppelte. Das Knarren von Rädern und das Aechzen von Achſen ſchwer fahrender Wa⸗ gen, dazu das Wiehern von Roſſen und ſelbſt menſch⸗ liche Stimmen hallten durch den Föhrenwald, der den unteren Theil des Berges bedeckte, auf welchem Schloß Oltingen lag.

Horch! rief der Rüſtmeiſter, Frachtwagen nahen, ſchwer beladen, wie es ſcheint, denn die Räder ſchlagen auf dem felſigen Boden auf. Ein Güterzug von

Kuniberts bärtige Lippen im Begriff, ſich auf die