Teil eines Werkes 
18. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Wänden den Schein der Lichter tauſendfach wiedergibt, ſie füllen die Höͤhle mit Geſang und lauſchen auf ihr Echo, welches die murmelnden Bäche der Tiefe melo⸗ diſch begleiten, ſie bewundern die Werke der Natur, die ſich auch ohne das milde Licht der Sonne, ohne das fröhliche Grün der Felder, ſo herrlich zeigt. Dann ſtei⸗ gen ſie herauf zum Lichte, und die Erde will ihnen noch ſchöner bedünken als zuvor; ihr Weg führt immer wei⸗ ter zu den Höhen von Lichtenſtein, und wenn dort die Männer im Kreiſe ſchöner Frauen, die Becher in der Hand auf die weiten Fluren hinabſchauen, wie ſie be⸗ ſtrahlt von einer milden Sonne im lieblichſten Schmelz der Farben ſich ausbreiten, dann preiſen ſie dieſe lichten Höhen, dann preiſen ſie ihr geſegnetes Vaterland. Dann kehrt, wie in den alten Tagen, Geſang und Ju⸗ bel und der fröhliche Klang der Pokale auf den Lichten⸗ ſtein zurück, und weckt das Echo ſeiner Felſen, und weckt mit ihm die Geiſter dieſer Burg, daß ſie die fröh⸗ lichen Gäſte umſchweben, und mit ihnen hinabſchauen auf das alte Würtemberg. Ob auch das holde Fräu⸗ lein von Lichtenſtein, ob Georg und der alte Ritter mit ihnen heraufſchwebt, ob jener treue Spielmann in den Tagen des Frühlings ſeinem Grab entſteigt und, wie er im Leben zu thun pflegte, hinaufzieht nach der Burg, das Feſt mit Geſang und Spiel zu ſchmücken? Wir wiſſen es nicht; doch wenn wir im Abendſcheine auf den Felſen gelagert, die Landſchaft überſchauten, wenn wir von den alten guten Zeiten und ihren Sagen ſprachen, wenn ſich die Sonne allmählig ſenkte, und nur das Schlößchen noch ſelig und freundlich in ſeiner Ein⸗

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