Teil eines Werkes 
18. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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von Koͤngen die Stelle zeigt, wo jener Unetſchrockene den Sprung auf Leben und Tod in die Tiefe wagte. Und ſie erſcheinen uns da, dieſe Sagen, wie unge⸗ wiſſe Schatten, die eine große Geſtalt vom Berge in die Nebel des Thales wirft, und der kältere Beobachter lächelt, wenn man ihnen wirkliches Leben und jene Farben verleihen will, die ihr unſicheres Grau zu einem Bild des Lebens umwandeln. Auch Lichtenſteins alte Veſte iſt längſt zerfallen und auf den Grundmauern der Burg erhebt ſich ein freundliches Jägerhaus, faſt ſo luftig und leicht wie jene ſpaniſchen Schlöſſer, die man in unſern Tagen auf die Grundpfeiler des Alterthums erbaut. Noch immer breiten ſich Würtembergs Gefilde ſo reich und blühend wie damals vor dem entzückten Auge aus, als Marie an des Geliebten Seite hinab⸗ ſah, und der unglücklichſte ſeiner Herzoge den letzten Scheideblick von Lichtenſteins Fenſtern auf ſein Land warf. Noch prangen jene unterirdiſchen Gemächer, die den Geächteten aufnahmen, in ihrer alten Pracht und Herrlichkeit, und die murmelnden Waſſer, die ſich in eine geheimnißvolle Tiefe ſtürzen, ſcheinen längſt ver⸗ klungene Sagen noch einmal wieder erzählen zu wollen.. Es iſt eine ſchöne Sitte, daß die Bewohner dieſes Landes, auch aus entfernteren Gegenden, um die Zeit des Pfingſtfeſtes ſich aufmachett, um Lichtenſtein und die Höhle zu beſuchen. Viele hundert ſchöne Schwaben⸗ kinder und holde Frauen, begleitet von Jünglingen und Männern, ziehen herauf in dieſe Berge, ſie ſteigen nieder in den Schvos der Erde, der an ſeinen kryſtallenen