Teil eines Werkes 
18. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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delnd werden, dem armen Kind! Kommt, kommt;

ſehen kann, es moͤchte i acht Tage ſchwin⸗ ich fühle mich ſtolz, Euer Geſelle zu ſein, wenn ich auch vierzehn Tage zu ſpät nach Ulm zurückkebre. Georgs Wangen rötheten ſich, ſein Herz pochte, als er ſein Gemach verließ. Die Freude, die Erwartung, die Erfüllung jahrelanger Wünſche beſtürmten. ſeine Sinne, und wie trunken ging er neben Herrn Diete⸗ rich durch die Galerien. Die Tbhüre ging auf, und Marie im Glanze ihrer Schönheit ſtand umgeben von vielen Frauen und Fräulein, die, vom Herzog einge⸗ laden, heute ihre Begleitung bilden ſollten. Marie erröthete, als ſie den Geliebten ſah, ſie betrachtete ihn

ſtaunend, als ſeien ſeine Züge heute mit einem neuen

Glanze übergrſſen, ſie ſchlug die Augen nieder, als ſie

ſeinen freudetrunkenen Blicken begegnete. Was hätte Georg darum gegeben, die Geliebte an ſein Herz zie⸗

hen, den Morgengruß der Liebe auf ihre Lippen drücken zu dürfen; aber die ſtrenge Sitte der Zeit trennte an dieſem Tage durch eine weite Kluft, was ſich ſonſt ſchon längſt gefunden hatte. Dem Bräutigam war es nicht erlaubt, die Hand der Braut zu berühren, ehe ſie der Prieſter, in die ſeinige legte, und der Braut wurde es übel aufgenommen, wenn ſie den Bräutigam gar zu viel und gar zu lange anſah. Züchtig, ehrbar, die Augen auf den Boden geheftet, die Hände unter der Bruſt gefaltet, mußte ſie ſtehen ſo wollte es die Sitte.

Bei mancher Andern möchte dieſe Stellung er⸗ zwungen und ſteif erſchienen ſein, doch, wie die Natur