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verhindern konnte, hatte Ulerich ſeinen Namen unter⸗ zeichnet. Der Ritter ſtand in ſtummer Beſtürzung; er ſenkte bekümmert das Haupt auf die Bruſt herab. Der Kanzler blickte triumphirend auf den Ritter und den Herzog. Doch dieſer ergriff eine ſilberne Glocke, die auf dem Tiſch ſtand und klingelte. Ein Diener erſchien und fragte nach ſeinem Befehl. 4
„Iſt die Bürgerſchaft verſammelt?“ fragte er.
„Ja, Euer Durchlaucht! Auf den Wieſen gegen Cannſtatt ſind ſie verſammelt. Amt und Stadt; die Landsknechte rücken ſo eben aus, ſechs Fähnlein.“
„Die Landsknechte? Wer gab die Erlaubniß?“
Der Kanzler zitterte bei dem Ton dieſer Frage. „Es iſt nur wegen der Ordnung,“ ſagte er,„ich habe gedacht, weil es bei ſolchen Fällen gebräuchlich ſei, daß bewaffnete Mannſchaft—“
Der Herzog winkte ihm, zu ſchweigen. Er begegnete einem trüben, fragenden Blick des alten Lichtenſtein, der ihn erröthen machte.„Mit meinem Befehl geſchah es nicht,“ ſprach er,„doch— es möchte auffallen, wenn wir ſie zurück riefen. Es iſt ja gleichgültig. Man hringe mir den rothen Mantel und den Hut; ſchnell!“
Der Herzog trat ans Fenſter, und ſah ſchweigend hinaus. Der Kanzler ſchien nicht recht zu wiſſen, ob ſein Herr erzürnt ſei, oder nicht, er wagte nicht zu ſprechen, und der Ritter von Lichtenſtein beharrte in ſeinem trüben Schweigen. So ſtanden ſie geraume Zeit, bis ſie von den Dienern unterbrochen wurden. Es traten vier Edelknaben ins Gemach, der erſte trug den Mantel, der zweite den Hut, der dritte eine Kette von
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